Horsemanship/ Bodenarbeit

Ziel der Bodenarbeit ist ein entspanntes, ausbalanciertes und gut bemuskeltes Pferd. Die Trainingslehre der equilibre-concepts orientiert sich an den Lehren der alten Reitmeister, Philippe Karl und Linda Tellington-Jones, sowie an verschiedenen Natural Horsemanship- Konzepten. Das Training und die Methodik stützen sich auf die gründliche Kenntnis der Anatomie, Biomechanik und Psychologie des Pferdes und entwickeln sich ständig fort.

 

Durch richtige Übungen wird Gesundheit erhalten, denn Krankheit kann man definieren als einen Verbrauch von Gesundheit. Beweglichkeit und Balance sind die beiden Pfeiler der Bewegungskunst und der Gesundheit. Diese Begriffe finden wir in vielen (Sport-) Bereichen wieder, lediglich die Ansätze und die Ausführungen unterscheiden sich:

 

Beim Yoga zum Beispiel ist es das Bestreben über Körperübungen (Asanas) insbesondere die Wirbelsäule zu gymnastizieren und die schlechten Einflüsse aus den Nadis (drei feinstoffliche Energiebahnen, die entlang des Rückens und im Wirbelkanal verlaufen) zu vertreiben. Vergleichbar ausgerichtet ist das Tai-Qi, bei dem es darum geht, die körperliche Flexibilität zu verbessern, damit das Qi in den Meridianen harmonisch fließen kann. Nebenbei: Tai-Qi und Qi-Gong (Meditations- und Bewegungsform) gehören zu den fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

 

Die Alexandertechnik, als weiteres Beispiel, ist bestrebt, die natürliche und kindliche Bewegungsqualität wiederzuentdecken, denn F. M. Alexander hat herausgefunden, dass Fehlhaltungen und schlechte Bewegungsmuster zu Krankheiten führen können. Der Leitgedanke lautet:

 

                                    „Wenn du das Falsche lässt geschieht das Richtige von selbst“. (F. M. Alexander)

 

Es lassen sich viele weitere Beispiele finden, die die Zusammenhänge von Beweglichkeit, Balance und Gesundheit aufzeigen. Die equilibre-concepts sind daher auf diese Zusammenhänge ausgerichtet. Nicht Leistungsdruck, sondern Freude an der Bewegung und der Arbeit mit dem Pferd ist das Ziel. Körperliche und emotionale Befindlichkeiten und Einschränkungen des Pferdes und des Reiters werden berücksichtigt und in das Trainingskonzept mit einbezogen.
                                                                
Im einzelnen beinhaltet ein Trainingsplan das Erarbeiten eines guten Longierens in Biegung, des korrekten Vorwärts-abwärts, die Mobilisierung des Unterkiefers (das Kiefergelenk ist für ein Drittel der Bewegungskoordination verantwortlich!), das Beweglichmachen des Halses (wofür z.B. einzelne „Flexionsübungen“ nach Baucher genutzt werden), Längsbiegung und Seitengänge.

 

Es ist unbedeutend, welcher Sparte der Reiterei Sie angehören, ob Sie gerne mit oder ohne Sattel, im Western- oder im Dressursattel reiten möchten. Die Grundlagen für ein zufriedenes, elastisches Pferd, die wir erarbeiten, sind in allen Disziplinen vergleichbar:

  • Grunderziehung und Kommunikation beim Führen, Putzen, Satteln, Aufsteigen, etc.
  • Longenarbeit am Kappzaum/Arbeit am langen Seil mit Knotenhalfter
  • Ausbildung unter dem Sattel: Kontakt zwischen Reiterhand und Pferdekopf/Pferdemaul, Anlehnung, Längsbiegung, Seitengänge, etc.

Hier zeigen wir einige unterschiedliche Trainingsvarianten in Abhängigkeit von Ausbildungsstand und „Reitweise“ am Beispiel des Schulterhereins: Das Schulterherein ist eine der wichtigsten gymnastizierenden Übungen für das Pferd und kann nicht nur unter dem Reiter erarbeitet werden, sondern auch an der Hand, am Knotenhalfter vom Boden, mit oder ohne „Zügelkontakt“, am Knotenhalfter oder auf andere Zäumung geritten.

Auch derjenige Reiter, der vom Sattel aus noch nicht so weit ist, diese Lektion zu reiten, wird sehr schnell in der Lage sein, sein Pferd vom Boden aus gymnastizieren zu können. Der angenehme Nebeneffekt der Arbeit vom Boden ist, dass der Reiter viel besser beobachten kann, wie das Pferd reagiert und es ihm später auch vom Sattel aus leichter fällt, die Lektion zu erlernen.



Der Begriff „Natural Horsemanship“ wird leider zu Unrecht oft mit bestimmten Ausbildungsmethoden und Hilfsmitteln (Knotenhalfter, Carrotstick…) verbunden. Historisch betrachtet ist das Natural Horsemanship eine Revolutionsbewegung, die sich vom traditionellen Horsemanship abgegrenzt hat (vgl.„The Revolution in Horsemanship”, Robert M. Miller). Der Fokus der Bewegung lag darin, sich von den traditionellen Horsemanship- und Ausbildungsmethoden wie z.B. dem Brechen, Aussacken und Hobbeln zu distanzieren und statt dessen das Wesen der Pferde zu berücksichtigen und sie gewaltfrei und intelligent zu trainieren und auszubilden.

"Non-Confrontation

Planning Ahead

Patience

Persistence

Consistency

Fix it and move on"
  Mark Rashid in “Live Lessons from a Ranch Horse”-


 

Natural Horsemanship ist an sich also ein sehr allgemeiner Begriff, der jedoch sehr stark von einigen, sehr bekannten Horsemanship Profis ( z.B. wie Pat Parelli) und deren speziellen Ausbildungsmethoden, geprägt wurde.

 

Für mich ist Natural Horsemanship eine Philosophie, die beinhaltet, stets den Weg zu wählen, der der Natur des Pferdes am meisten entspricht und Pferde nicht zu „vermenschlichen“. Der Mensch sollte seine Fähigkeiten und seinen Intellekt nutzen, um Verhaltensweisen und die „Sprache der Pferde“ zu erlernen (flüstern ist gar nicht nötig ;-).

 

Pferde denken und verhalten sich in für sie typischer Weise. In ihrer Natur liegen keine Verhaltensweisen wie Faulheit oder das Bestreben, jemanden ärgern zu wollen. Sie reagieren einfach wie Pferde. Und sie spiegeln uns Menschen viel öfter als es uns bewusst und vielleicht lieb ist. Für Pferde ist es zum Beispiel wichtig, keine Energien zu vergeuden, ihren Energiebedarf zu decken und ständig ihren Status in ihrer Herde auszuloten. Als Beutetier reagiert das Pferd sehr sensibel auf Stimmungen und Emotionen. Nicht authentisches Verhalten zum Beispiel kann ein Pferd erschrecken. Wenn wir diese und andere Verhaltensmuster kennen und uns darauf einlassen, können wir nicht nur lernen, auf eine wunderbare Weise mit unseren Pferden umzugehen, sondern uns auch selbst durch den Umgang mit dem Pferd zu entwickeln.